Kunst der Revolte
Revolte der Kunst
· Nicht löschbares Feuer
08.03-05.05.2018

Ausstellung

Künstler*innen: Claudia von Alemann, Thomas Bayrle, Bazon Brock, Jonas Englert, Harun Farocki, Frankfurter Hauptschule, Karina Griffith, Raul Gschrey, Barbara Klemm, Alexander Kluge, Anna McCarthy, Charlotte Moorman und Nam June Paik, outside the box, Realism Working Group (Jessica Sehrt, Martin Stiehl, Jeronimo Voss), Hartmut Rekort, Peter Roehr, Jörg Thums, Abisag Tüllmann, Inge Werth, Wolf Vostell, Marcin Wierzchowski, Holger Wüst, Frauke Zabel u.a.;

 

Kuratorinnen: Michaela Filla-Raquin und Andrea Caroline Keppler

 

Die Ausstellung Kunst der Revolte // Revolte der Kunst beleuchtet 50 Jahre nach ‘68 die Wechselwirkungen zwischen künstlerischer Praxis und politischem Aktivismus in Frankfurt. Mit dem Fokus auf die lokale Kunstszene und emanzipatorische Initiativen vor und nach 1968 widmet sich die Ausstellung bislang weniger beachteten Akteuren*innen der 68er-Bewegung(en). Sie erweitert die Perspektive auch um einen feministischen und dekolonialen Blickwinkel und bezieht Gegenwartskunst als wichtige Produzentin aktueller Erinnerungskultur mit ein. Neben Werken damaliger Akteur*innen werden künstlerische Positionen vorgestellt, die Aspekte und Ideen der 1960er Jahre in Bezug auf ihre heutige Wirksamkeit befragen und weiterführen.

 

Als Ort der legendären Student*innenbewegung ist der Campus Bockenheim der Goethe-Universität Frankfurt längst ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Vergessen ist jedoch, dass die Frankfurter Universität in den 60er Jahren auch Schauplatz einer ästhetischen Revolte war. Hier entwickelte sich in Auseinandersetzung mit Vertretern der Frankfurter Schule kritisches Bewusstsein, das in kollaborativen, künstlerischen Experimenten seinen Ausdruck fand. Hier führten Protagonist*innen der Fluxus- und Happening-Bewegung wie Bazon Brock, Wolf Vostell, Nam June Paik und Charlotte Moorman Aktionen durch, die studentische Protestformen vorwegnahmen. In der Ausstellung zeigen Arbeiten jüngerer Künstler*innen – raumgreifende Installation, Video, Performance, Fotografie und diskursive Formate –, dass die damals erprobten Formen von Selbstbestimmung, kritischer Intervention, solidarischem Miteinander und Kollaboration längst nicht erschöpft sind. Angesichts gegenwärtiger, gesellschaftlicher Entwicklungen suchen sie nach Alternativen und Möglichkeiten der Revolte.

   

Ein Projekt des Offenen Haus der Kulturen e.V.

 

In Kooperation mit dem Universitätsarchiv Frankfurt, der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Goethe-Universität Frankfurt, dem AStA der Goethe-Universität, der Hessischen Theaterakademie und weiteren mit dem Kulturcampus verbundenen Institutionen und Initiativen sowie District Berlin.

 

Mit freundlicher Unterstützung:

Freunde und Förderer der Goethe-Universität, Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst und Kulturamt der Stadt Frankfurt

Programm

Do, 8. März, 19 Uhr

Eröffnung

21 Uhr

Performance:

Anna McCarthy:

How to Start a Revolution: The Musical

Es ist Zeit für die ultimative große romantische Geste. How to Start a Revolution: The Musical ist eine musikalische Adaption des fortlaufenden Projekts How to Start a Revolution, eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Romantisierungen und synästhetischen Manipulationen von Revolution, Rebellion und der jüngsten Geschichte. Fakten mischen sich mit Fiktion zu einem poetischen Popspektakel.


Studierendenhaus, Festsaal

So, 11. März, 15 Uhr

Kuratorinnenführung durch die Ausstellung

Treffpunkt: Studierendenhaus, Foyer

Do, 15. März, 19 Uhr

Diskussion:

Protest und Staatsgewalt

Mit Daniel Loick

Anlässlich der jüngsten Aktion der Frankfurter Hauptschule im Bahnhofsviertel sprechen wir mit dem Philosophen Daniel Loick u.a. über das Verhältnis historischer und aktueller Aktionskunst zur Staatsgewalt.

Fr – So, 16. – 18. März

Performative Audioinstallation:

Horkheimers Geist – Übungen in Demokratie

Seit das Frankfurter Studierendenhaus vor 130 Semestern den Studierenden zur Selbstorganisation überlassen wurde, hat es sich zu einem Experimentierfeld für verschiedene Formen von Demokratie entwickelt. Tatsächlich wurde im Studierendenhaus nicht selten Revolte riskiert. Seine Geschichte legt Spuren zum Beginn der Frauenbewegung und den Anfängen der Grünen bis hin zu Alternativer Ökonomie, neuen Theaterformen und Zeitungsprojekten. Profikollektion sucht nach den möglichen Zukünften in der Vergangenheit. Interviews mit Zeitzeug*innen, Recherche an historischem Material und Diskursen um wichtige Ereignisse öffnen eine subjektive Perspektive auf die Geschichte des Hauses. Die Zuschauer*innen reisen durch Jahrzehnte, Geschichten und Räume – auf der Suche nach kommender Demokratie.

profikollektion: Marc Behrens, Jan Deck, Michaela Filla-Raquin, Katja Kämmerer, Tim Schuster u. a.


Anmeldung und Info: profikollektion.de

Gefördert mit den Mitteln des Kulturamtes Frankfurt am Main, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Offenen Hauses der Kulturen.

Do, 22. März, 19 Uhr

Film:

Ich bin ein Elefant, Madame

Der berühmte erste Spielfilm der Theaterlegende Peter Zadek erzählt vom Versuch der Primaner eines Bremer Gymnasiums, die autoritär strukturierte Schule umzukrempeln und zu demokratisieren. An einem Bremer Gymnasium stiftet der Schüler Rull, der die herrschende Ordnung leidenschaftlich ablehnt, einen Aufstand an und versucht, die autoritären Strukturen seiner Schule zu durchbrechen. Dabei verulkt er Lehrer, Mitschüler, Polizei und Bürger gleichermaßen.

Studierendenhaus, Festsaal

In Kooperation mit Filmkollektiv Frankfurt e.V.

Fr, 6. April, 18.30 Uhr

Performance:

Hysterisches Globusgefühl:

Operationsfeld Nichtstaat – wir sind nur ein Karnevalsverein

Hysterisches Globusgefühl wagt das Unmögliche: den Kampf gegen den Leviathan, das Monster der staatlichen Ordnung. Gemeinsam mit dem Publikum verschwören wir uns zu einer Vereinigung des theatralen Untergrundes und betreten den Kampfplatz der Auseinandersetzung: die Straßen und Plätze deutscher Innenstädte. Mit einem Karnevalsumzug außerhalb der Saison ziehen wir durch Frankfurt und stellen die staatlich gesetzten Regeln in Frage. Welche Möglichkeiten gibt es, dieses allumfassende, undurchschaubare, identitätsstiftende Monster für einen Moment stillstehen zu lassen? Und wie würde sich ein Ort anfühlen, der nicht vom Leviathan beherrscht wird?


Treffpunkt Studierendenhaus

In Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie

Sa, 7. April, 11-15 Uhr

Workshop:

Decolonizing 68: Manifesto of a new camera

Mit Karina Griffith (Künstlerin und Filmemacherin)

Karina Griffith forscht zu Schwarzer deutscher Filmproduktion um 1968, die in der Geschichtsschreibung bisher eher unsichtbar geblieben ist. Beginnend mit Untersuchungen der frühen Filmkameratechnik, die explizit nur auf das Abbilden von weißer Haut ausgerichtet war, fragt dieser Workshop: Wie könnte eine postkoloniale Kamera aussehen und sich anfühlen? Wie können wir den Apparat dekonstruieren, um neue Arten des Sehens und Darstellens zu ermöglichen? Im Workshop sollen in der Form eines Film-“Lesekreises“ bewegte Bildtexte und Bilder kollektiv gelesen werden. Die Teilnehmer*innen werden gebeten, ein Foto oder Video als Material für diese gemeinsamen Erkundungen und Dekolonialisierung des Blickes mitzubringen.


Anmeldung und Info: info@kunstderrevolterevoltederkunst.de

In Kooperation mit District Berlin

So, 15. April, 15 Uhr

Kuratorinnenführung durch die Ausstellung

Treffpunkt: Studierendenhaus, Foyer

Mi, 18. April, 12-17 Uhr

Workshop:

Transformationswerkzeuge

Mit Jörg Thums (Performer) u.a.

Ausgehend von den Protestformen der 60er und 70er Jahre (trans)formen wir Möglichkeiten der Intervention in den öffentlichen Raum.


Anmeldung und Info: info@kunstderrevolterevoltederkunst.de

In Kooperation mit dem Institut für Kunstpädagogik / Verena Kuni

Mo 30. April, 20.15 Uhr

Filmscreening und Gespräch

Mit Claudia von Alemann

Exprmntl 4 Knokke

Vom 25. Dezember 1967 bis zum 2. Januar 1968 fand im belgischen Seebad Knokke das 4. Experimentalfilmfestival exprmntl statt – das damalige Mekka des unabhängigen, experimentellen Films in Europa. Vertreter des Undergroundund Avantgardefilms aus den USA und Kanada, Filmemacherinnen aus Japan, Belgien und Skandinavien trafen hier aufeinander. In Knokke war u.a. zu sehen, was sich in Fluxus-Aktionen und den Veranstaltungen des sogenannten „Expanded Cinema“ seit den frühen sechziger Jahren entwickelte: Installationen und Aktionen, die den Rahmen des Kinos sprengten, die Trennung zwischen Kunst und Film verschoben und sowohl Publikumsreaktionen als auch die Wahrnehmung selbst thematisierten.


Buch und Regie: Claudia von Alemann, 1967/68 / 45 Min. / s/w / 16mm.

Studierendenhaus, Festsaal

Das ist nur der

Anfang – Der Kampf

geht weiter

Mai 1968, Paris, Frankreich. 8 Millionen Franzosen streiken. Polizisten stürmen die Barrikaden, die Sorbonne wird gestürmt, die Studierenden besetzen die universitären Räume und forcieren deren Öffnung für die gesellschaftlichen Kämpfe und Debatten, die die herkömmlichen Institutionen infrage stellen. Welche Rolle spielt dabei der Film? Welche Funktion kann dem Film in dieser Bewegung zukommen? Wie engagieren sich Filmemacher*innen im Rahmen einer neu zu definierenden Kulturpolitik? Und wie werden ihre Forderungen in der filmischen Praxis umgesetzt? Filmstudierende, Schüler*innen, Arbeiter*innen u.a. der Citroen-Werke und auch etablierte Regisseure wie Jean-Luc Godard beteiligten sich in diesem Film an den Debatten und Auseinandersetzungen der im Mai 68 entstandenen Filmkollektiven.


Buch, Regie, Produktion: Claudia von Alemann, 1968/69, 45 Min./ s/w/ 16mm / OV franz., deutsche Voice-over.

Do, 3. Mai, 19.00 Uhr

Diskussion:

Vom Studierendenhaus zum offenen Haus der Kulturen

Mit Kulturdezernentin Ina Hartwig

Das Frankfurter Studierendenhaus ist seit 65 Jahren ein Ort der kulturellen Vielfalt und ein Zentrum der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen. In der Diskussion soll über den Stand der Planungen berichtet, das Konzept des Vereins Offenes Haus der Kulturen vorgestellt und die weiteren Schritte und möglichen Hindernisse zu dessen Realisierung diskutiert werden.

Studierendenhaus, Festsaal

Sa, 5. Mai, 15 Uhr

Kuratorenführung durch die Ausstellung und Finissage

Treffpunkt: Studierendenhaus, Foyer


Weitere Veranstaltungen im Rahmen von REVOLTE + EXPERIMENT. Kulturcampus im Aufbruch unter

www.offeneshausderkulturen.de


Weitere Veranstaltungen im Rahmen von 50 Jahre ’68 unter

https://aktuelles.uni-frankfurt.de/68er-reihe/

Infos

Orte der Ausstellung:

 

Studierendenhaus

auf dem Campus Bockenheim

Mertonstraße 26-28, 60325 Frankfurt am Main und

 

Dante 9

Ausstellungsraum des Universitätsarchivs Frankfurt

Dantestraße 9, 60325 Frankfurt am Main

 

Öffnungszeiten:

Do, 16-20 Uhr, Fr-So, 14-18 Uhr

30. März.-1. April (Osterfeiertage) geschlossen

 

Eintritt frei

 

Kontakt:

info@kunstderrevolterevoltederkunst.den

   

Team:

Michaela Filla-Raquin

Kuratorin

info@puddingexplosion.de

 

Andrea Caroline Keppler

Kuratorin

ankeppler@web.de

 

Tim Schuster

Geschäftsführer, Offenes Haus der Kulturen e.V.

info@ohdk.de